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Patientengeschichten

Plötzlich gelähmt – Patientengeschichte von F. Ressing

By 7. Mai 2026No Comments

Prof. Dr. Dr. M. Stettner, Oberarzt am Universitätsklinikum Essen – der behandelnde Arzt von F. Ressing und seit 21.03.2026 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesverbandes Deutsche GBS-Vereinigung e.V. erklärt, was hinter der Krankheit steckt.

„Ich bin ganz normal ins Bett und am nächsten Morgen wusste ich: Ich bin nicht mehr der Gleiche.“ Mit diesen Worten beschreibt F. Ressing den Beginn eines Alptraums, der ihn vor zwei Jahren fast das Leben gekostet hätte. Der heute 46-Jährige aus Oberhausen erkrankte am Guillain-Barré-Syndrom, kurz GBS, einer seltenen und lebensgefährlichen Autoimmunerkrankung, die jeden aus dem Nichts treffen kann. Das Immunsystem greift dabei Nervenbahnen an. Betroffene verlieren nach und nach die Kontrolle über ihren Körper.

Je nach Stadium kommt es zur Atemlähmung und zu Herzrhythmus-Störungen. Etwa ein Fünftel der Betroffenen muss mit Langzeitschäden leben. F. Ressing hatte Glück – aber dieses Glück war nur möglich durch die Hilfsbereitschaft zahlloser Menschen, die ihr Blut spendeten. Ohne die zeitkritische Therapie durch Plasmapherese, die mehrere Liter Blutplasma erfordert, hätte seine Geschichte ein tragisches Ende nehmen können, betont auch Facharzt Prof. Dr. Dr. M. Stettner vom Universitätsklinikum Essen.

Alles begann mit einer Wasserflasche, die F. Ressing nicht mehr öffnen konnte. „Ich habe gemerkt, irgendetwas stimmt hier gar nicht“, erzählt F. Ressing. „Kurz darauf konnte ich kaum mehr laufen, meine Arme waren steif, und selbst Sprechen fiel mir schwer.“ Statt direkt den Notarzt zu rufen, ging er zum Hausarzt. Dieser hatte durch Zufall schon einmal mit einem ähnlichen Fall zu tun. Diagnose: Guillain-Barré-Syndrom. Mögliche Auslöser: ein Infekt, eine Impfung oder ein Trauma, bei Frauen sogar eine Schwangerschaft.

„Der Arzt schickte mich direkt mit dem Rettungswagen in die örtliche neurologische Intensivstation“, erinnert sich der 46-Jährige. Am Abend sei er bereits vollständig bewegungsunfähig gewesen. Auch Sprechen ging nicht mehr. Ein erster Versuch, die Krankheit durch eine Gabe intravenöser Immunglobuline in den Griff zu bekommen, blieb erfolglos. F. Ressing ließ sich gegen die Bedenken einiger Ärzte ins Universitätsklinikum Essen verlegen, wo er auf bessere Therapiemöglichkeiten hoffte. Dort arbeitet er in der IT. Dort kennt man ihn. Er fühlte sich gut aufgehoben.

„Wir haben zuerst einen speziellen Venenkatheder gelegt“, erklärt Prof. M. Stettner, F. Ressings behandelnder Facharzt und ein führender GBS-Forscher. „Dieser ist notwendig für die Plasmapherese – ein Verfahren, bei dem das Blutplasma von Antikörpern gereinigt und durch frisches Plasma ersetzt wird.“ Das Verfahren ist auch als Blutwäsche bekannt. „Dadurch stoppen wir die Entzündung und helfen dem Körper, seine Funktion zurückzugewinnen“, so Prof. M. Stettner.

„Normalerweise machen wir das fünfmal, aber bei Herr F. Ressing waren es insgesamt sieben Plasmapheresen“, betont er. Um die Dimension zu verdeutlichen: Aus einer regulären Vollblutspende lassen sich etwa 250 Milliliter Blutplasma gewinnen.
F. Ressing benötigte mehrere Liter. „Mir war zu der Zeit überhaupt nicht bewusst, dass mein Leben von der Bereitschaft so vieler Menschen abhing, Blutplasma zu spenden“, erinnert sich F. Ressing.

Selbst das Aufstehen musste er neu lernen

Was das GBS bei F. Ressing genau ausgelöst hat, bleibt am Ende unklar. „Fest steht: Sein Immunsystem griff plötzlich die Nervenbahnen an, da es nicht mehr zwischen fremdem Erreger und eigenem Gewebe unterscheiden konnte“, erklärt Prof. M. Stettner. Zwar gebe sich das irgendwann von alleine, doch würden Patienten die Symptome meist nicht überleben.
Keine Kontrolle mehr haben und gleichzeitig geistig voll da zu sein, war für F. Ressing das Schlimmste: „Ich lag da, komplett hilflos. Es ist ein Gefühl, das ich niemanden wünsche.“ Mit einem Lächeln erinnert er sich: „Nach der zweiten oder dritten Plasmapherese konnte ich meinen Zeh wieder bewegen.“ Ein Durchbruch. Nach und nach erlangte er wieder Kontrolle über seinen Körper. „Ich musste lernen, Geduld zu haben – selbst das Aufstehen musste ich schließlich neu lernen.“

Ein gutes halbes Jahr später konnte er sich schrittweise wieder in seinen Beruf einsteigen, ließ es sich nicht nehmen, kurz darauf Skifahren zu gehen. „Ich habe meinen Körper gefordert, jeden Tag aufs Neue. Und das mache ich bis heute.“ Heute kann F. Ressing sogar wieder Windsurfen – ein Sport, den er bereits seit seinem elften Lebensjahr betreibt.
F. Ressing verspürt vor allem Dankbarkeit – für die Ärzte, die Pfleger*innen und die Menschen, die durch ihre Blutspenden sein Leben gerettet haben. Nicht zuletzt zeigt das, wie wichtig Blut- und Plasmaspenden sind. „Ohne dieses Plasma hätte Herr F. Ressing deutlich schlechtere Chancen gehabt“, sagt Prof. M. Stettner. „Daher ist jede einzelne Blutspende entscheidend.“

Blutplasma wird in Deutschland nicht nur für die Therapie von GBS eingesetzt, sondern auch für viele andere lebensbedrohliche Krankheiten. Obwohl viele Spenden durchgeführt werden, sind die Bestände knapp. Der Appell des Mediziners ist daher Klar: „Blutspenden retten Leben“